Quantität und Qualität in Ilmenau

Da bis dato noch keiner der in Ilmenau anwesenden Autorenschaft mit einem Artikel losgelegt hat werfe ich mal den ersten Stein.

Dementsprechend gebe ich mal einen kleinen Bericht zur PatInfo 2012 (13.06.2012-14.06.2012) in Ilmenau zum Thema „Qualität und Quantität im gewerblichen Rechtschutz“ zum Besten. Natürlich entspricht der Bericht nur meiner subjektiven Wahrnehmung und ist somit per se kritisch zu lesen und sowohl bei abweichender als auch bei deckungsgleicher Meinung gefälligst zu kommentieren!

  • Zu den Workshops am Donnerstag kann ich leider nichts sagen, da zu dieser Zeit noch auf der Suche nach Ilmenau war.
  • Zum Inhalt der Vorträge kann ich leider nichts sagen, da der besagte Inhalt den Weg nach Ilmenau anscheinend ebenfalls nicht gefunden hat. 😉

Aber bevor ich hier verbal mit der Tür ins Haus falle vielleicht nochmal ganz von vorne…

Nach den üblichen einleitenden Worten der Konferenz am ersten Tag folgte ein für mich sehr abstrakter – wenn auch fachlich sicher durchdachter – Vortrag über „open data“ im Patentwesen.
Als datenbanktechnischer Endverbraucher (kommerzielle Datenbank versteht sich) gestehe ich jedoch mein bedingtes Interesse hinsichtlich verwendeter Datenformate für die Lieferung vom Amt an meinen Datendealer.

3 Stunden später (es war gerade ca. 16 Uhr) war dann übrigens tatsächlich bereits der fünfte Vortrag mit einem Fragezeichen am Ende des Titels gelaufen! Traurig wenn bei Vortragenden die Kreativität zur Gestaltung spannender Vorträge leider nur für ein Fragezeichen hinter dem Titel reicht.

Doch wie sich rausstellen sollte, war der zweite Nachmittagsblock für mich dann tatsächlich der wertvollste Vortragsblock der Veranstaltung. Der Grund?
Zum einen waren die Vorträge zumindest im Vergleich zu dem was noch folgen sollte auf ordentlichem Niveau und zum anderen endete der Vortragsblock mit einem polarisierendem Vortrag von Herrn Krüger (MTC) über „Cloud Computing und Crowd Sourcing im Patentumfeld“.
Tatsächlich kann man über Notwendigkeit eines „gefällt-mir-Buttons“ für Patenterteilungen geteilter Meinung sein, aber das Ziel des Vortrags war klar: Anstacheln und provozieren!
Nach Aussage von Herrn Krüger beläuft sich der gesamte Patentbestand von 1883 bis 2009 auf ein Datenvolumen von ca. 100 TB. Und das hörte sich nur so lange viel an bis Herr Krüger by-the-way erwähnte, dass Facebook solch ein Datenvolumen an einem einzigen Vormittag durchzieht. Die für mich gewonnene Quintessenz:

Die Branche ist verstaubt und wir müssen dringend etwas tun!

Nach einem derartigen Vortrag wirkten die Ausstellerkurzpräsentationen naturgemäß ziemlich banal.

Der zweite Konferenztag ließ nach einem sehr interessanten Einstiegsvortrag von Meissner Bolte & Partner über die ergänzenden Möglichkeiten aus dem UWG vorzugehen viel erwarten.

Leider wurde das Niveau der Vorträge besonders am zweiten Tag nicht in dem Maße gehalten wie es für eine Konferenz mit dieser Historie zu wünschen gewesen wäre. So denke ich doch, dass man Fachleute aus der Branche nicht mehr mit Vorträgen über die frei zugänglichen Datenbanken begeistern kann. Meiner Meinung nach hat jemand der Grundlagen über Datenbanken wie depatisnet lernen will auf einer Fachkonferenz sowieso nichts verloren.

Soweit meine Eindrücke.

Und jetzt? Nie mehr Ilmenau? Nie mehr PatInfo?

Nein, die PatInfo ist und bleibt neben dem Amberger Patenttag eine günstige Möglichkeit um sein Netzwerk zu pflegen und sich wertvolle Anstösse für den Arbeitsalltag zu holen.

Und selbst wenn die Vorträge dieses Jahr „durchwachsen“ waren habe ich das ein oder andere mitgenommen.

Ich würde mich jedenfalls freuen euch auf der PatInfo 2013 zu sehen.

 

 

IP-Fairplay

Im Fußball gibt es seit kurzem eine so genannte Financial-Fairplay-Initative.
Da soll verhindert werden, dass sich irgendwelche dubiosen Neureiche ins Fußballgeschäft einkaufen und der nationale Ligafußball damit massiv an Glaubwürdigkeit verliert.

Im Patentwesen gibt es bis dato leider keinerlei Fairplay-Initiativen. Doch eben solche Initiativen wären für das gesamte System bitter nötig.

Ich meine damit nicht, dass es russischen Ölmultis wie Abramovitsch per se verboten sein sollte sich die elf besten Patente der Welt zu kaufen.
Es ist mir auch egal wenn sich Apple und Samsung vor dem OLG Düsseldorf bis auf ihre letzte Unterhose verklagen!
Was ich meine sind z.B. die allgemeinen Praktiken der Verklausulierung, ich meine die ganzen versteckten Ansprüche, die blödsinnigen Zeichnungen in den ersten Figuren und vor allem auch die völlig sinnfreien Praktiken aus den USA (Stichwort: continuation, continuation in part, etc.) und der ganze andere Bockmist.
Es mögen ein paar Patentschreiberlinge ganz lustig finden ein Kabel in einem Patent als Leiterseil zu bezeichnen – ob man mit solchen tollen Tricks dem Patentsystem auf Dauer dient?
Das Unverständnis für unsere Arbeit wird in der Öffentlichkeit nicht gerade kleiner!
Das Patentsystem verliert permanent an Glaubwürdigkeit!

Mein Vorschlag: Es sollte Strafpunkte für missbräuchliche Patentarbeit geben.

Und mit 8 Punkten in Genf sind alle “Patentlappen” weg und man wird für mindestens ein Jahr vom Spiel ausgeschlossen.
In diesem Sinne: Haltet unsere Patentumwelt sauber! Denn wir haben das Patentwesen nicht von unseren Vätern geerbt sondern von unseren Kindern geliehen. 😉

Nice try!

Da haben wir doch mal nette Post bekommen.

Ob wir die 780€ gezahlt haben überlass ich eurer Phantasie…

(Kleine Ergänzung von Markus: Wer nicht versteht, worum es hier geht, der sei auf die “Warnung vor – teilweise irreführenden – Angeboten, Zahlungsaufforderungen und Rechnungen im Zusammenhang mit Schutzrechtsanmeldungen und -verlängerungen” vom DPMA verwiesen. Ich hab so ein Ding jedenfalls noch nie im echten Leben gesehen, danke Andi :D)