1. Absolvententreffen des Studiengangs Patentingenieurwesen

Am 8. November 2013 fand an der FH Amberg-Weiden, ääh HAW Amberg-Weiden, ääh OTH Amberg-Weiden das erste Absolvententreffen unseres ehemaligen Studiengangs statt. Ein paar von uns haben an einer FH das Studium angefangen und an der HAW aufgehört. Ich glaube es gibt Leute, die es fast bis zur OTH geschafft haben, aber sicher bin ich mir nicht 😀 Neben dem Marketingartikel (und der zugehörigen Podcastfolge) auf der OTH Homepage, hier mal ein paar Eindrücke von Alumni.

Auf ihrer Homepage schreibt die OTH Folgendes zu der Veranstaltung:

Nach einer Begrüßung durch den neuen Studiengangsleiter Prof. Hummich erläuterte sein Vorgänger Prof. Dr. Tiefel die aktuelle Studiensituation mit Hinblick auf die Umstellung hin zum Bachelor, sowie das neue Kommunikationskonzept für den Studiengang. Danach stand der Austausch zwischen den Alumni und den Professorinnen und Professoren des Studiengangs im Vordergrund. Als einstimmiges Feedback der PI-Absolventinnen und Absolventen war zu vernehmen, dass diese gefragte und hochqualifizierte Fachkräfte sowohl in der Industrie als auch in den Patentanwaltskanzleien sind. Besonders gelobt wurde dabei, dass der Studiengang ein Gefühl für Technik vermittelt und die Kommunikationsfähigkeiten stärkt.
Das breite Spektrum an ganz unterschiedlichen erfolgreichen beruflichen Werdegängen stieß dabei bei allen Anwesenden auf besonders großes Interesse. In einer regen Austauschrunde wurde zudem darüber diskutiert, wie man den Studiengang zukünftig noch besser an die beruflichen Anforderungen des Marktes anpassen könnte. Hier wurde angeregt, insbesondere die technischen Inhalte weiter zu verstärken und zu vertiefen.

Zum Abschluss des Absolvententreffens nutzten unsere ehemaligen Studierenden die Gelegenheit, sich in ungezwungener Atmosphäre über das vergangene Studentenleben auszutauschen.

Meinung von Markus:

Ganz so positiv sehen einige von uns es allerdings nicht und wir sind doch ein wenig erschrocken über diesen reinen “Marketingtext”. Als einstimmiges Feedback hätte man eher sehen können, dass der Studiengang leider zu einer Art Sackgasse geworden ist. Als PIler aus Amberg kann man derzeit kein Zugelassener Vertreter vor dem EPA werden und wie die Chancen zum Deutschen Patentanwalt stehen ist ziemlich unklar. Man hat also genau mit dem Studiengang, in dem man sich am meisten mit der Materie beschäftigt, ziemlich geringe Chancen später mehr als “nur” ein Ingenieur zu werden. Insbesondere jetzt, wo es auch “nur noch” ein Bachelorstudiengang ist, kann man eigentlich eher davon abraten, PI zu studieren. Weitere Kritikpunkte waren die manchmal unzureichenden Englisch und Office Kenntnisse der aktuellen Absolventen, die uns alten Absolventen im Berufsalltag manchmal als Praktikantinnen und Praktikanten begegnen. Auch hier besteht wohl noch Bedarf an Anpassung an “die beruflichen Anforderungen des Marktes”.

Es war aber wirklich sehr schön die alten Kommilitoninnen, Kommilitonen, Professorinnen und Professoren mal wieder zu treffen. Es war auch ganz klar spürbar, dass die Hochschule versucht hat, sich vor den Ämtern und Behören für eine bessere Anerkennung des Studiengangs einzusetzen. Scheinbar blieb das Bisher wohl leider ohne Erfolg. Für eine Empfehlung pro Pi-Bachelor fehlt ein Aufbaumaster an der Hochschule, der diese Defizite beheben könnte. Es ist zwar, zumindest meiner Wahrnehmung nach, nie von Seiten der Hochschule versprochen worden, dass man mit dem Studium mal Patentanwalt werden kann, jedoch ist es schon traurig, dass man es ausgerechnet mit dem Studium recht sicher nicht werden kann. Ansonsten geht es uns jobtechnisch schon saugut 😀

Meinung von Christof:

Das Treffen fand ich gut und würde mich freuen, wenn es auch in Zukunft in regelmäßigen Abständen stattfindet – wobei sich hierfür auch der Amberger Patenttag eignen würde.. Ansonsten stimme ich der Meinung von Markus im Wesentlichen zu. Der vielleicht wichtigste Punkt wird von der OTH Amberg-Weiden nach wie vor nicht klar und deutlich öffentlich angesprochen. Und zwar, welche “Karrierechancen” man mit dem Abschluss als Patentingenieur (Bachelor) hat, bzw. nicht hat. Wie bereits geschrieben wurde, scheint es derzeit so zu sein, dass den zukünftigen Patentingenieuren aus Amberg sowohl der Weg zum deutschen als auch zum europäischen Patentanwalt verwehrt bleibt, wobei darüber hinaus auch noch immer unklar ist, ob ein zusätzlicher Uni-Master etwas daran ändert. Eine typische Unterhaltung zwischen einem Patentingenieur aus Amberg (A) und einem Vorgesetzten in der Patentabteilung, einem Vorgesetzten in einer Kanzlei, oder einem möglichen zukünftigen Arbeitgeber (B) sieht in der Praxis dann so aus:

A: “Hallo, ich bin Patentingenieur”
B: “Hallo, gut, was ist ihr technisches Fachgebiet”
A: “Das hab ich nicht, kenn mich aber ganz gut im Maschinenbau und der Elektrotechnik aus”
B: “Aha, gut.. also kein richtiger Techniker… dann machen Sie aber bestimmt bald die Ausbildung zum Patentanwalt”
A: “Nein, das darf ich nicht, da ich an einer Fachhochschule studiert habe”
B: “Okay, dann können Sie ja erst einmal die europäische Eignungsprüfung schreiben”
A: “Nein, dass darf ich auch nicht, denn dafür reicht der Technikanteil in meinem Studium nicht aus”
B: “Hmmm, aber dann können Sie ja zumindest nach 10 Jahren Berufserfahrung die Prüfung zum deutschen Patentanwalt (Patentassessor) schreiben”
A: “Nein, oder ja, hmm, keine Ahnung, das weiß man noch nicht so genau. Im Moment schaut es aber so aus, als ob mir auch dieser Weg verwehrt bleibt, da manche Personen der (teilweise unbegründeten) Auffassung sind, dass das Studium trotz “Dipl-Ing.” bzw. “B.Eng” Akkreditierung nicht technisch ist, weshalb mir auch dieser Weg versperrt bleiben könnte.
B: “Okay, das ist ja wirklich eine dumme Situation für Sie. Sie erledigen täglich die Arbeit eines Patentanwalts, es ist Ihnen jedoch nicht möglich, die dafür nötigen Prüfungen abzulegen (und eine entsprechende Gehaltsforderung zu stellen). Verstehe ich das richtig?”
A: “Ja”
B: “Prima, ich möchte, dass sie für mich arbeiten”

Ohne den Titel eines deutschen oder europäischen Patentanwalts ist die “Karriere” im Patentwesen (z.B.: Leiter Patentabteilung, PartnerIn oder Gründer einer Kanzlei, etc.) in der Praxis schwierig. Das mag diejenigen nicht interessieren, die auch mit dem (anspruchsvollen) Beruf des klassischen Patentingenieurs oder Patentmanagers zufrieden sind. Denjenigen, die später jedoch tatsächlich an einer “Karriere” interessiert sind, durch das Patentingenieurwesen-Studium sehr gute Chancen darauf zu versprechen, finde ich unter den derzeitigen Umständen jedoch ein wenig irreführend.

Ein möglicher Ansatz für eine Lösung der vorstehenden Problematik könnte es sein, keinen PI-Bachelor mehr anzubieten, sondern nur noch einen PI-Master, den man ausschließlich auf einem rein technischen Bachelor-Studium aufbauen darf. Mit dem rein technischen Bachelor hätte man einerseits die in der Praxis geforderte technische Qualifikation als auch die Zulassungsvoraussetzungen für die europäische Eignungsprüfung sowie die deutsche Patentanwaltsprüfung (nach 8 bzw. 10 Jahren), und mit dem PI-Master hätte man dann die erforderlichen IP-Kenntnisse, um hoch qualifiziert in Patentabteilungen, Kanzleien, etc. einsteigen zu können.

Ich möchte übrigens nicht den Beruf des Patentingenieurs oder Patentmanagers schlecht reden (welcher ich ja selbst bin). Ganz im Gegenteil. Ich finde die Arbeit als solcher äußerst interessant und anspruchsvoll. Ich kann mich nur mit dem Gedanken nicht anfreunden, dass es mir als Patentingenieur nicht möglich sein soll, die Ausbildung zum Patentanwalt anzutreten, auch nachdem ich im Beruf bereits über viele Jahre seine Arbeit verrichtet habe.

Meinung von Andreas:

Das Treffen war ganz nett … aber – ACHTUNG EIGENE MEINUNG – mir geht das ganze: “Buhu ich kann kein Anwalt werden…” doch kräftig auf den Senkel!
Wenn ich meinen Studienanfang zurück denke, dann kommen wir unweigerlich folgende Worte in den Sinn: “Dies ist kein Studium zum Patentanwalt!”
Wer das vorher nicht wusste, hat sich nicht informiert und wer das nicht hören wollte, ist selbst schuld.
Im Nachhinein die Hochschule für mangelnde Unterstützung anzuprangern, finde ich hier etwas eindimensional. Schließlich war der Studiengang von Anfang an als Schnittstellenposition konzipiert und diese Position ist meiner Meinung nach von den Absolventen durchaus gut auszufüllen.
Auch ist diese Position in der Wirtschaft keine Dead-End-Street ohne Aufstiegschancen. Als Maschinenbauer wird übrigens auch nicht automatisch jeder zweite Absolvent ein Abteilungsleiter – soweit ist das wohl die “natürliche” Selektion.
Und gerade in kleineren Unternehmen ist man als PI’ler in engem Kontakt zur Geschäftsführung. Und wenn man sich da gut anstellt, weiß ich nicht warum einem die Firmenwelt nicht offen stehen sollte. Fragt mal bei den Umwelttechnikern, Maschinenbauern und E-Technikern, wann Sie Ihre ersten Meetings mit der Geschäftsführung hatten. Die Vorstellung über den gemeinen Patentmanager (wie ich arme Seele wohl bin) ohne Karriereoption scheint mir bei den vorherigen Kommentaren doch eher Kanzlei-geprägt zu sein. Die Realität sieht hier doch etwas vielseitiger aus. (Tipp: Redet mal mit Absolventen ohne EQE)
Womit wir auch beim Thema wären: Wenn sich die Hochschule meiner Meinung nach etwas vorwerfen lassen muss, dann, dass sie den ursprünglichen Sinn des Studiengangs auf dem Altar der Patentanwälte (welche als Dozenten alle brav antanzen um billiges Recherchepersonal abzugreifen)  geopfert haben und zumindest in den letzten Jahren nicht noch lauter geschrieen haben: “DIES IST KEIN STUDIUM ZUM PATENTANWALT!”
Ich denke, dass alle PI’ler die sich nun in dieser misslichen Lage (Status: Keine Zulassung, Arbeitgeber: Kanzlei, Motivation weiterzukommen: hoch) befinden, größtenteils selbst Schuld sind. Harte Worte – ich weiß. Aber es kommt noch härter.
Ich kann den Widerstand der Patentanwaltskammer sowie das EPA’s verstehen! EAT THIS! Die Stärke des Studiengangs liegt in der Interdisziplinären Ausbildung und nicht in der technischen Tiefe.
Ich kann den “Marketingtext” mit den Branchenüblichen Euphemismen in weiten Teilen durchaus für gut befinden.
Ich kann den Studierenden die Hoffnung machen, dass der Studiengang nicht aussichtslos ist.
Ich kann nur eines nicht mehr….
… Treffen sich zwei PI’ler. Erste Frage: “Bist Du zugelassen worden?”….
… ich kann die Buchstaben “EQE” nicht mehr ertragen.

P.S.: Den Vorschlag von Christof “technischer Bachelor – PI Master” halte ich dennoch für sinnstiftend. Ist aber aus meiner Sicht eher die Lösung für das Problem “Bachelor” als für das Problem “EQE”.

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5 Gedanken zu „1. Absolvententreffen des Studiengangs Patentingenieurwesen

  1. Christof

    Die Aussage vom Andi

    “Dies ist kein Studium zum Patentanwalt! Wer das vorher nicht wusste, hat sich nicht informiert und wer das nicht hören wollte, ist selbst schuld”

    möchte ich so nicht unkommentiert stehen lassen. Es stimmt schon, dass uns im Studium nie gesagt wurde, dass wir Patentanwalt werden sollen. Es wurde aber auch nie gesagt, dass es nicht möglich wäre. Vielmehr wurde seitens der Hochschule und der Professoren gesagt und auch geschrieben (vgl. PI-News), dass es zumindest nach 8 bzw. 10 Jahren Berufserfahrung möglich wäre, Patentanwalt zu werden, wonach man zum damaligen Zeitpunkt auch noch ausgehen konnte – und wovon auch viele Studenten, mich eingeschlossen, ausgegangen sind.

    Dafür, dass sich die Patentanwaltskammer nun kurzerhand umentschieden hat und Patentingenieure aus Amberg (mit Diplom), wenn überhaupt, selbst nach 8 bzw. 10 Jahren Berufserfahrung nur noch unter ganz besonderen Voraussetzungen zur Patentanwaltsprüfung zulassen möchte, kann die Hochschule natürlich nichts. Ich würde mich aber freuen, wenn hierzu endlich mal eine klare Aussage getroffen wird, wer zugelassen wird und wer nicht, dass die zukünftigen PI-Studenten genau wissen, worauf sie sich einstellen können und es später keinen Frust gibt. Bei anderen Berufsgruppen wie Rechtsanwälten oder Steuerberatern funktioniert das doch auch..

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  2. Stephan

    Die EQE ist von jedem (!!!) PI-Absolventen nach 10 Jahren schreibbar. Vorprüfung somit nach 9 Jahren. Immer erst informieren, dann publizieren und niemals die Reihenfolge vertauschen.

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    1. markus

      Ich warte ab, bis das mal jemand gemacht hat 🙂 Und selbst wenn es eine/r gemacht hat, glaube ich noch nicht, dass es bei der/m nächsten sicher klappt 😀

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    1. Christof

      Regel 14 der aktuellen VEP sagt:
      “Kann ein Bewerber nicht nachweisen, dass er die Anforderungen der Regeln 11, 12 und 13 erfüllt, so können seine Natur und/oder ingenieurwissenschaftlichen Kenntnisse dennoch als gleichwertig anerkannt werden, wenn er nachweisen kann, dass er über eine mindestens zehnjährige Erfahrung der in Artikel 11 (2) a) VEP genannten Art verfügt.”
      Deshalb kann man davon ausgehen, dass ein PI-ler aus Amberg nach 9 bzw. 10 Jahren Berufserfahrung zur EQE zugelassen werden sollte.

      Sollte. Denn nach §158 PAO heißt es bzgl. der deutschen PA-Prüfung:
      “(1) Abweichend von den Vorschriften des § 10 Absatz 2 über den Nachweis der technischen Befähigung und der Ausbildung auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes kann zur Prüfung zugelassen werden, wer, nachdem er im Inland auf einer öffentlichen oder staatlich anerkannten privaten Ingenieurschule oder einer gleichwertigen technischen Lehranstalt (Anm.: d.h. Fachhochschule) eine nach deren Grundsätzen abgeschlossene technische Ausbildung erlangt hat und mindestens zehn Jahre auf Grund eines ständigen Dienst- oder ähnlichen Beschäftigungsverhältnisses für einen Auftraggeber hauptberuflich eine Beratungs- oder Vertretungstätigkeit auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes ausgeübt hat und im Geltungsbereich dieses Gesetzes eine solche Tätigkeit, die nach Art oder Umfang bedeutend ist, noch ausübt; § 7 Absatz 3 bis 5 gilt entsprechend. Für Bewerber, die die europäische Eignungsprüfung für die vor dem Europäischen Patentamt zugelassenen Vertreter bestanden haben, beträgt die Frist mindestens acht Jahre.”

      Das heißt, ein Patentingenieur aus Amberg sollte eigentlich auch nach 8 bzw. 10 Jahren zur deutschen PA-Prüfung zugelassen werden, da er als Diplomingenieur per Definition eine “technische Ausbildung” hat.
      In der Praxis sieht es im Moment jedoch ein wenig anders aus, da die deutsche PA-Kammer den Abschluss des Patentingenieurs aus Amberg nicht automatisch als technischen Abschluss anerkennt. So, spinnen wir diesen Gedanken nun mal weiter. Was wäre, wenn auch das EPA unseren Abschluss plötzlich nicht mehr als ausreichend technisch einstuft? Wäre ein Patentingenieur aus Amberg dann tatsächlich nach 10 Jahren automatisch zulassungsberechtigt zur EQE? Angenommen es gibt eine Kanzlei oder Industriepatentabteilung, die einem versierten PaFa oder sonstigen Angestellen ohne technischen Abschluss technische Akten bearbeiten lässt. Dürfte auch dieser dann nach 10 Jahren Berufserfahrung zur EQE antreten? Mal ganz davon abgesehen, dass ich nicht wissen will, wie die VEP in 5 Jahren ausschaut..

      Ich denke zwar auch, dass man als Patentingenieur aus Amberg nach 9 bzw. 10 Jahren entsprechender Berufserfahrung zur EQE antreten darf, sicher bin ich mir dabei aber nicht.

      P.S.: Liebe Grüße an den Andi. Ich weiß, wie sehr dir dieses Thema gerade wieder gefällt : )

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