EQE 2016 Ergebnisse und Statistik

Da seit gestern die Ergebnisse online beim EPA verfügbar sind (http://www.epo.org/learning-events/eqe/statistics_de.html), habe ich mal wieder schnell eine Statistik für die Hauptprüfung gemacht. (Natürlich ohne Gewähr und ohne Unterteilung in Chemie und Mechanik. Bitte teilt mir die Fehler mit, falls ihr welche findet.)

results of the 2016 eqe

Ich hab den C-Teil schon wieder nicht geschafft und es nervt langsam. Außerdem wird es beim nächsten Versuch echt schweineteuer (400% der Grundgebühr).

stupid

Wie bei allen vorherigen Versuchen gilt folgender Grundsatz: Gut zu wissen, dass ich wohl einfach durchschnittlich blöd bin. Oder nicht sehr viel blöder. Ich gratuliere jedenfalls mal wieder allen, die es geschafft haben. Vor den Leuten habe ich großen Respekt 🙂

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Aprilscherz vom Vortag

Am 31. März 2016 um 21:28 kam folgende Mail rein:

Ich suche Formulierungshilfe zur Anmeldung von technischen Patenten.
http://guinea-bissau-sustentavel.jimdo.com/kompetenzzentrum-technologie/
Die Verbrennungstechnologie beruht auf der Auflösung der Molekülbrücken vor dem Verbrennungsprozess.

Der Stabilisator ist nicht mehr pat. fähig, heute wurde die Umsetzung veröffentlicht – wer die Suche nach Unterstützung lesen kann, hat es einfach … bei der Nichtunterstützung von formulierungunfähigen ***!

Die Gravitationsbeeinflussung beruht auf der Beschleunigung von schwarzer Materie auf eine mehrfache Lichtgeschwindigkeit – da die Uni Berkley letztes Jahr endlich auch die Lichtgeschwindigkeit überschritten hat, sollte die Vorführung nicht mehr als Teufelswerk wie noch vor 15 Jahren mit der Beschlagnahmung der Forschungsakten durch die bayerische Staatsanwaltschaft enden.
Es wäre schön wenn Sie jemanden wissen, der bei der Formulierung hilft, obwohl der Ertrag zum Aufbau von West-Afrika genutzt wird.

Mit den besten Grüßen

***

p.s.
mit ein bisschen Recherche könnt ihr mich täglich finden: in eurem Computer wird noch Heute meine Hochintegration von 1988/9 genutzt, der gedrehte Bambus auf eurem Schreibtisch durfte in Deutschland wegen der IHK-Auflage eines Pflanzenzielwachsmeisters zum Betriebsbeginn der neuen Technologie einzustellen. Damit ist jede neue Technologie in Deutschland von der Umsetzung ausgeschlossen…..

Meine Antwort am 1. April 2016 um 07:38

Sehr geehrter Herr ***,

mir wäre spontan niemand bekannt, der Ihnen da weiterhelfen könnte.

Mit freundlichen Grüßen,

Ist echt schade, besonders da die Erfindungen auf deren Homepage so erfolgversprechend aussehen. Das Foto von dem schwebenden Stein ist schon beeindruckend 🙂

guinea-bissau-sustentavel

 

Kein Patent auf die Coca-Cola Flasche…

… steht da so überall bei tagesschau.de und faz.net. „Qualitätsjournalismus“ vom Feinsten. Das ist natürlich Quatsch, denn Coca-Cola wollte eine EU Marke für ein glattes Design der Flasche, ohne Rillen/Riffelung, und nicht ein Patent für irgendwelche technischen Neuerungen 🙂 Und jetzt dürfen wir wieder alle ein wenig mehr Angst vor Artikeln über Themen bekommen, bei denen wir noch weniger Ahnung haben…

cola-flasche-patent-tagesschau

cola-flasche-patent-faz

Dass es auch richtig geht, zeigt übrigens finanzen.net, wo bereits in der Überschrift die ganze Story dargestellt wird: „EU-Urteil: Coca-Cola-Flasche ohne Rillen nicht als Marke schützbar“

cola-flasche-patent-finanzen

Coolste Kanzleiwebseite?

Ich bin über das JurisDiction Podcast Folge 40 zu Computerimplementierten Erfindungen und dem Gast Philip Harrison auf die Seite von Venner Shipley aufmerksam geworden. Ist das nicht die coolste Kanzleiwebseite überhaupt? 🙂 Auf der Unterseite über die Tätigkeitsfelder der Kanzlei findet man die niedlichsten Retro-Futurismus Icons, die ich je gesehen habe 😀 Sehr coole corporate identity! Das hat Humor und Charme.

Die Podcast Folge ist übrigens auch sehr interessant und handelt in 15 Minuten so ziemlich alles über Softwarepatente ab, was man einem US Kollegen vor dem Entwurf einer Patentanmeldung sagen möchte. Kann ich nur empfehlen.

vennershipley2 vennershipley1

EPA schützt eine gewöhnliche Tomate

Interessanter Heise Artikel „Biopatent: Europäisches Patentamt schützt Tomaten aus konventioneller Züchtung„. Wenn man sich Anspruch 1 von EP 1 515 600 B1 anschaut, muss man sich wirklich wundern, warum das eingetragen wurde:

1. Nichttransgene domestizierte L. esculentum-Pflanze,
die aufgrund einer hinaufregulierten Flavonolbiosynthese im Fruchtfleisch dieser Pflanze und restaurierter CHI Expression in der Fruchtschale dieser Pflanze Früchte mit einem Flavonolgehalt im Fruchtfleisch von mehr als 0,5 mg/mg TG und einem Flavonolgehalt in der Schale dieser Frucht von mindestens 5 mm/mg TG erzeugt, wobei die nichtransgene domestizierte L. esculentum-Pflanze durch Introgression des CHI-Gens und der Flavonolbiosyntheseweggene CHS, FSH und FLS der Lycopersicon-Wildaccessionen LA1963, LA2884 und LA1926 in eine domestizierte L. esculentum-Pflanze erhältlich ist.

Transgen heißt genetisch verändert, nichttransgen sollte dann wohl nicht genetisch verändert, also ganz normal gezüchtet heißen. Eine „normale“ Pflanzensorte also, wie sie in der Natur vorkommen kann.

Artikel 53 EPÜ nennt als Ausschlußkriterien für eine Patentierung unter anderem

b) Pflanzensorten oder Tierrassen sowie im Wesentlichen biologische Verfahren zur Züchtung von Pflanzen oder Tieren. Dies gilt nicht für mikrobiologische Verfahren und die mithilfe dieser Verfahren gewonnenen Erzeugnisse;

Man darf sich also wundern.

Patent Yogi auf YouTube

Ich weiß nicht, warum ich die Videos von Patent Yogi auf YouTube jetzt erst entdecke. Da sind ein paar ganz großartige und lustige Sachen dabei. Die erwecken Patentschriften echt zum Leben 🙂 Klar, die Videos sind jetzt nicht ultra slick animiert, aber das ist sicher trotzdem sehr viel Arbeit, die da drin steckt 😀 Hier zwei Beispiele:

Ford patents living room on wheels

Greatest Air Show ever – 100 aircraft patents animated

Webseite http://patentyogi.com/

Twitter https://twitter.com/patentyogi

Wie viele Patente braucht Europa?

Bei FOSS Patents gibt es einen sehr interessanten Artikel, der den Flyer zur aktuellen SUEPO  (Staff Union of the European Patent Office) Streikankündigung beinhaltet. In dem Flyer stellt man sich die Frage, wie viele Patente man überhaupt will und ob der Fokus nicht mehr auf Qualität statt Quantität gelegt werden sollte. Als jemand, der jeden Tag haufenweise Quatschpatente (nicht nur Anmeldungen!) sieht, finde ich die Diskussion wirklich dringend notwendig. (Von wegen „raising the bar“ und so, diese Initiative vom EPA ist ja mittlerweile eher ein Treppenwitz :D) Dass es für die Mitarbeiter im EPA entspannter wird, wenn es weniger Anmeldungen zu bearbeiten gibt, ist für die natürlich ein netter Nebeneffekt 🙂

Irgendwie wird immer deutlicher, dass wir Außenstehende bei der ganzen Diskussion im Battistelli nur gewinnen können. Die ebenfalls geforderte Transparenz kann ja kaum schaden.

Auszug aus dem SUEPO Flyer:

How many patents does Europe need?
At the beginning of 2015, staff of the EPO is faced with demands for massive increases in production (up to 20%) at the same time as a further worsening of their working conditions. The EPO receives some 150.000 patent applications a year, of which roughly one-third (35 %) come from the EPO member states and two-thirds (65 %) from outside Europe1. Despite the EPO’s very  healthy financial situation2, Mr Battistelli’s main policy aim for the Office seems to be to make it more “efficient”. According to staff, efficiency is not an aim by itself: it is subordinated to the Office’s duty, as a public service, to examine patent applications thoroughly and to refuse any “bad” patents that would otherwise be a nuisance, in particular for the many European small and medium-sized enterprises that cannot afford expensive litigation. Mr Battistelli’s single-minded focus on “efficiency” and cost cutting is not in the interest of Europe!

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Zeitung lesen bildet? Von wegen!

Dass man sich einen Artikel in einer Tageszeitung, der sich mit einem Thema beschäftigt, mit dem man sich gut auskennt, nicht durchlesen sollte, ist wohl hinreichend bekannt. Insbesondere wenn man Artikel aus dem eigenen beruflichen Tätigkeitsgebiet liest, kommt es vor, dass man bei manchen Sätzen oder Absätzen nur mit dem Kopf schütteln kann. Dies ist bei mir bei Artikeln zum gewerblichen Rechtsschutz der Fall.
Dennoch begehe ich diesen Fehler häufig. Und es müssen auch längst nicht alle Texte schlecht sein. Ein Beispiel dafür ist der Artikel „Und an was denken Sie beim ‚Café Merci‘?„, der kürzlich in der Frankfurter Rundschau erschienen ist und sogar von einem Café in meinem Heimatort handelt. Martin Brust schildert darin auch die rechtlichen Schwierigkeiten, die sich für den Normalbürger bei dem beschriebenen Rechtsstreit als wenig nachvollziehbar darstellen dürften, korrekt und sachlich.
Es ist in gewissem Maße nachvollziehbar, dass nicht alle Autoren die rechtlichen Aspekte korrekt wiedergeben können. Carolin Gasteiger von der Süddeutschen Zeitung schießt mit ihrem aktuellen Artikel „Meine irren Beats“ jedoch den Vogel ab. Hier werden gleich drei Schutzrechte durcheinander geworfen. Während der Untertitel noch „Taylor Swift lässt Text urheberrechtlich schützen“ lautet, so wird im Text auf den „Patentierungswahn“ eben jener Taylor Swift verwiesen. Zusätzlich stellt sich bei näherer Betrachtung der im Artikel verlinkten Übersicht der Schutzrechte heraus, dass es sich eigentlich um Marken handelt.
Martin Brust hat für den Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes wahrscheinlich einen Wissensvorsprung vor der „Mitarbeiterin für Kultur/Medien“ Carolin Gasteiger, arbeitet er doch im Wirtschaftsressort der Frankfurter Rundschau. Solche haarsträubenden Fehler, wie sie in dem Artikel über Taylor Swift zu finden sind, sollte sich jedoch kein Journalist erlauben.

Update:
Inzwischen wurden die falschen Verweise auf Patente und Urheberrechte gestrichen und durch Hinweise auf Markenrechte bzw. Textschutz ersetzt. Dazu gibt es noch einen kleinen Hinweis der Redaktion.

Update 2:
Auch wenn es nicht unbedingt hierher gehört, wollte ich noch erwähnen, dass sich im Streit um das Café Merci nun Patentanwalt Reinhard Treudler eingemischt und einen Löschungsantrag für die Marke „merci“ gestellt hat (Die Frankfurter Rundschau berichtet weiter). Reinhard Treudler handelt dabei scheinbar nicht im Auftrag des Cafés Merci. Ob er tatsächlich nur an der „Rechtsfortbildung in Sachen markenrechtlicher Bösgläubigkeit“ interessiert ist oder ein wenig PR betreibt sei mal dahin gestellt.

SUEPO?

Sehr interessant und ich hatte mal wieder keine Ahnung davon. Es gibt beim EPA eine Gewerkschaft der Mitarbeiter und das bereits seit 1969. Die SUEPO.

Von deren Seite http://www.suepo.org/public/about:

SUEPO, a union in the patent world

SUEPO stands for Staff Union of the European Patent Office (EPO). The EPO has sites in Berlin, Munich, The Hague and Vienna. Likewise SUEPO is made up of four local sections at the four sites. Approximately 50% of the staff of the respective sites are members.

Because SUEPO effectively has four working languages (English, French, German and Dutch in The Hague) it also has French (Union Syndicale de l’Office Européen des Brevets -USOEB) and German (Internationale Gewerkschaft im Europäischen Patentamt – IGEPA) names. All employees of the EPO are free to become members of SUEPO, since the fundamental right of „freedom of association“ is guaranteed by the EPO-Codex for every employee.

Sie sind auch nicht unbedingt die größten Freunde von Battistelli (siehe Artikel „Ärger im EPA?„) und machen solche Flyer hier:

SUEPO Flyer

Ärger im EPA?

Wenn nur die Hälfte in dem Artikel der Welt stimmt, ist das ein Skandal. Er ist aber auch recht reißerisch geschrieben.  Trotzdem lustig genug, um geteilt zu werden 😀

http://www.welt.de/wirtschaft/article131635427/Besserverdiener-im-Patentamt-zerfleischen-sich.html

Besonders den Absatz unten finde ich erschreckend. Das sind ja alles Ingenieure/Techniker/Wissenschaftler dort. Solche Leute werden nicht einfach grundlos paranoid. Der restliche Artikel spielt einfach mit dem Sozialneid. Wer würde nicht gern für über 100.000 Euro einen „gemütlichen Beamtenjob“ haben, bei dem man sogar noch streiken kann? 😉

Mitarbeiter befürchten, dass der Chef sie abhört

 Das Klima ist mittlerweile so vergiftet, dass alles, was Battistelli macht, fast zwangsläufig zum Konflikt führt. „Diktator“ nennen sie ihn gern. Oder „Sonnenkönig“. Oder „Putin“.

Es sind verschiedene Kulturen, die da aufeinanderprallen. Auf der einen Seite steht Battistelli, der eine zentralistische Führungskultur aus Frankreich gewohnt ist. Der auf Gehorsam und Amtswürde dringt. Auf der anderen Seite stehen die selbstbewussten Prüfer, die in unabhängigen kleinen Teams agieren und denen fachlich niemand das Wasser reichen kann.

Wie weit das Misstrauen geht, bekommt man schnell mit, wenn man mit Mitarbeitern des Amtes spricht. Niemand macht das über das Festnetztelefon.

Wenn überhaupt gesprochen wird, dann am Mobiltelefon beim Spaziergang an der Isar oder im Café. Man traut es dem französischen Präsidenten sogar zu, die eigenen Mitarbeiter zu bespitzeln.