Zeitung lesen bildet? Von wegen!

Dass man sich einen Artikel in einer Tageszeitung, der sich mit einem Thema beschäftigt, mit dem man sich gut auskennt, nicht durchlesen sollte, ist wohl hinreichend bekannt. Insbesondere wenn man Artikel aus dem eigenen beruflichen Tätigkeitsgebiet liest, kommt es vor, dass man bei manchen Sätzen oder Absätzen nur mit dem Kopf schütteln kann. Dies ist bei mir bei Artikeln zum gewerblichen Rechtsschutz der Fall.
Dennoch begehe ich diesen Fehler häufig. Und es müssen auch längst nicht alle Texte schlecht sein. Ein Beispiel dafür ist der Artikel “Und an was denken Sie beim ‘Café Merci’?“, der kürzlich in der Frankfurter Rundschau erschienen ist und sogar von einem Café in meinem Heimatort handelt. Martin Brust schildert darin auch die rechtlichen Schwierigkeiten, die sich für den Normalbürger bei dem beschriebenen Rechtsstreit als wenig nachvollziehbar darstellen dürften, korrekt und sachlich.
Es ist in gewissem Maße nachvollziehbar, dass nicht alle Autoren die rechtlichen Aspekte korrekt wiedergeben können. Carolin Gasteiger von der Süddeutschen Zeitung schießt mit ihrem aktuellen Artikel “Meine irren Beats” jedoch den Vogel ab. Hier werden gleich drei Schutzrechte durcheinander geworfen. Während der Untertitel noch “Taylor Swift lässt Text urheberrechtlich schützen” lautet, so wird im Text auf den “Patentierungswahn” eben jener Taylor Swift verwiesen. Zusätzlich stellt sich bei näherer Betrachtung der im Artikel verlinkten Übersicht der Schutzrechte heraus, dass es sich eigentlich um Marken handelt.
Martin Brust hat für den Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes wahrscheinlich einen Wissensvorsprung vor der “Mitarbeiterin für Kultur/Medien” Carolin Gasteiger, arbeitet er doch im Wirtschaftsressort der Frankfurter Rundschau. Solche haarsträubenden Fehler, wie sie in dem Artikel über Taylor Swift zu finden sind, sollte sich jedoch kein Journalist erlauben.

Update:
Inzwischen wurden die falschen Verweise auf Patente und Urheberrechte gestrichen und durch Hinweise auf Markenrechte bzw. Textschutz ersetzt. Dazu gibt es noch einen kleinen Hinweis der Redaktion.

Update 2:
Auch wenn es nicht unbedingt hierher gehört, wollte ich noch erwähnen, dass sich im Streit um das Café Merci nun Patentanwalt Reinhard Treudler eingemischt und einen Löschungsantrag für die Marke “merci” gestellt hat (Die Frankfurter Rundschau berichtet weiter). Reinhard Treudler handelt dabei scheinbar nicht im Auftrag des Cafés Merci. Ob er tatsächlich nur an der “Rechtsfortbildung in Sachen markenrechtlicher Bösgläubigkeit” interessiert ist oder ein wenig PR betreibt sei mal dahin gestellt.

Masterstudium

Ich habe mich dafür entschieden, nach meinem Dipl.-Ing. (FH) für Patentwesen noch einmal zu studieren und einen Master an einer Universität zu machen, um anschließend die “richtige” Patentanwaltsausbildung machen zu können. Für diejenigen, die auch mit diesem Gedanken spielen oder aus anderen Gründen noch einmal studieren wollen, habe ich hier eine Übersicht über meine Uni-Bewerbungen erstellt. Enjoy!

1. Einteilung nach Ablehnung, Zulassung mit/ohne Auflagen

Ablehnung:
Universität Siegen – Maschinenbau
Justus-Liebig-Universität Gießen – Materialwissenschaft
Universität Kassel – Maschinenbau
TU Hamburg-Harburg – Theoretischer Maschinenbau
Universität Rostock – Schiffs- und Meerestechnik
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Materialwisseschaft und Werkstofftechnik
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Maschinenbau

Zulassung mit Auflagen:
TU Dortmund – Maschinenbau
Universität Stuttgart – Maschinenbau
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Maschinenbau

Zulassung ohne Auflagen:
TU Braunschweig – Maschinenbau

Offen:
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Medizintechnik

2. Auflagen

In Dortmund sind die Auflagen enorm. Insgesamt soll ich 63 Leistungspunkte nachholen, von denen noch maximal 30 von den jeweilig zuständigen Dozenten anerkannt werden können. Daher habe ich mich von einem Studium in Dortmund verabschiedet.

Die Auflagen in Stuttgart bestanden in einem Auswahlgespräch im Rahmen des “Verfahrens zur Feststellung der fachlichen Eignung”. Ich habe auf dieses Gespräch verzichtet.

In Erlangen (Maschinenbau) müssen 20 Leistungspunkte (ECTS) nachgeholt werden. Davon eine konstruktive Projektarbeit. Das ist durchaus machbar.

3. Verfahren

Fast alle Unis haben heutzutage ein Online-Bewerbungsportal, durch das man sich bewerben muss. Hier gibt es positive Beispiele (Erlangen), die auch einen Upload von Dateien wie Lebenslauf oder Zeugnissen ermöglichen. Negative Beispiele (Braunschweig) teilen einem mit, dass ein Bescheid zugestellt wird, sagen aber nichts über dessen Inhalt aus (Zulassung oder Ablehnung?); da brauche ich auch kein Online-Portal.

Richtet euch darauf ein, dass ihr die Hochschulzugangsberechtigung (Abitur etc.) sowie Diplomurkunde und Diplomzeugnis für die meisten Bewerbungen in beglaubigter Kopie braucht. Ein teures Unterfangen: Ich habe auf der Stadt München pro Kopie pro Dokument 5€ bezahlt.

Dokumente wie Lebenslauf und Motivationsschreiben wurden weniger oft gefordert als gedacht. Erlangen ist hier aber sehr fordernd.

Bewerbungszeit ist meist 1. Juni bis 15. Juli. Die TU München tanzt hier aus der Reihe, dort ist (soweit ich weiß) schon im Mai Schluss. Rechnet trotzdem damit, dass auch bei frühzeitiger Bewerbung Zu- und Absagen erst im August kommen.

4. Sonstiges

Einige Universitäten (Siegen, Rostock) schlagen bei einer Ablehnung vor, dass man sich vor dem Masterstudium in einen Bachelor-Studiengang einschreibt, um fehlende Vorkenntnisse nachzuholen. Im Falle der Universität Rostock ist dabei der zusätzliche Abschluss B.Sc. wohl nicht mal notwendig, man kann dann nur bei der Bewerbung zum Masterstudium mehr Vorkenntnisse (und Leistungspunkte oder bestandene Prüfungen) vorweisen.

Falls ihr noch Fragen habt, schreibt diese bitte in die Kommentare. Ich antworte so gut ich kann. Außerdem gibt es neben mir noch andere, die nach PI erneut studiert haben. Auch die können vielleicht die eine oder andere Frage beantworten oder allgemein ihren Senf dazu geben.

5. Fazit

Ich finde es erstaunlich, dass die Resonanz so unterschiedlich ausfällt. Ebenfalls erstaunlich finde ich, dass die Thematik “FH-Studium” für die Vorkenntnisse überhaupt keine Rolle gespielt hat. Das hatte ich definitiv anders erwartet. Und vielleicht habe ich das ja sogar dem Bologna-Prozess zu verdanken.

Für mich stellt sich nun die Frage: Braunschweig oder Erlangen?

Beschwerdeverhandlung zur EQE (Zusammenfassung)

Wie einige wissen wurde am 5. Dezember 2012 in vier Fällen vor der Beschwerdekammer verhandelt, ob Absolventen des Studiengangs Patentingenieurwesen nach drei Jahren Berufserfahrung zur EQE zugelassen werden können. Nachfolgend fasse ich aus meiner Sicht die grundsätzlichen Aussagen der Beschwerdekammer zusammen:

  • R 11 ABVEP ist zumindest auf die erste Alternative des Art. 11 (1) a) VEP anzuwenden. Der spezielle Studiengang eines jeden Bewerbers muss die 80%-Regelung erfüllen.
  • Die 80%-Regelung ist anhand des jeweiligen Studiengangs und nicht anhand eines dreijährigen Studiengangs als Mindesvoraussetzung zu berechnen. Ein “Runterrechnen” per Dreisatz ist nicht möglich.
  • Markus, Christof und Jenny wurden durch einen “Irrtum” und somit eigentlich zu Unrecht zugelassen. Es gibt keine Gleichbehandlung im Unrecht.
  • Zum Vertrauensschutz hätten wir (keine Ahnung wie) begründen müssen, warum wir seit wann und auf was genau vertrauen.

Dementsprechend wurden die Beschwerden zurückgewiesen. Ich hoffe, dass ich in nächster Zeit noch einen ausführlicheren Post zu den weiteren Umständen zustande bringe.

7. Amberger Patenttag – Praxis des Internationalen Patentrechts

Am 10. Februar ist es mal wieder soweit, an der Hochschule Amberg-Weiden, sprich “meiner” Hochschule, findet der Amberger Patenttag statt. Auch in diesem Jahr wird es eine Reihe von Vorträgen und wahrscheinlich wieder leckere Häppchen geben. Das Thema lautet: “Praxis des Internationalen Patentrechts”.

Ich war bisher auf einem Großteil, wenn nicht sogar auf allen Patenttagen und finde, dass es sich immer wieder lohnt. Ob einen eher die Vorträge interessieren oder ob man hauptsächlich neue Leute aus dem Patentbereich kennenlernen möchte, es lohnt sich auf jeden Fall.

Interessierte können sich noch bis zum 27. Januar 2012 hier anmelden.